Auf den Tag, fast auf die Stunde, genau 80 Jahre nach dem verheerenden Bombenangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 hielt Apostel Arne Herrmann in der Kirche in der Pfühlstraße einen Gedenkgottesdienst zu diesem Anlass.
In einer Videobotschaft vor dem Gottesdienst erinnerte sich der spätere Gemeindevorsteher Hirte Siegfried Zürger (von 1975 bis 1996) an das damalige Erleben, das er als 14-Jähriger zusammen mit Mutter und neugeborenem Bruder in einem Kellerraum überlebt hatte. Sein Fazit dabei: keine Worte der Anklage oder der Schuldzuweisung, sondern der Versöhnung im Blick auf den neuen Himmel und die neue Erde, die Gott verheißen habe.
Apostel Arne Herrmann legte dem Gottesdienst ein Bibelwort aus Jesaja 9, 1 zugrunde: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“
Im Blick auf das Geschehen 80 Jahre zuvor eröffnete er den Gottesdienst, auf den er den ganzen Tag über schon „mit sehr gemischten Gefühlen“ zugegangen sei, mit den Worten: „Wir können es nicht begreifen, wir können es nicht verstehen“, was Menschen in der Lage seien sich anzutun. Man stelle nur Sprachlosigkeit beim Nachdenken darüber an sich fest.
Man stelle sich Fragen – die Schuldfrage aber sei unangemessen. „Wo sollte man anfangen? Wo sollte man aufhören?“ Menschen sähen nur die Spitze des Eisberges – allein Gott könne die ganze Kette von Ursachen, Wirkungen und damit die ganze Geschichte überblicken. Die vergangenen 80 Jahre seien eine lange Zeit – gelernt habe die Menschheit inzwischen nichts: „Auch gerade jetzt heulen irgendwo wieder Sirenen, flüchten Menschen in Keller und Bunker.“
Auch zur Zeit Jesajas, der das Bibelwort prägte, seien Krieg und Leid in dessen Lebensumfeld gewesen, da die Menschen schon damals nach eigenen Maßstäben gehandelt hätten. Ursache sei also die Abkehr von Gott, von seinen Geboten und Prinzipien – die Gottferne mit all ihren Konsequenzen.
Dass es immer auch irgendwo hell werde, hätten die Menschen gezeigt, die in dunklen Tagen schon an Wiederaufbau gedacht und diesen in Angriff genommen hätten. „Wir selbst sind nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung!“ Das Licht der Zukunftshoffnung strahle immer, auch in der heutigen Zeit.
Der Apostel spendete in diesem Gottesdienst einem Mann das Sakrament der Heiligen Versiegelung und damit die Gabe Heiligen Geistes. Bewegung ging durch die Gemeinde, als der Apostel den Gläubigen bat, sein Alter und seinen Geburtstag zu nennen: Auf den Tag genau vor 80 Jahren erblickte er das Licht der Welt – am 4. Dezember 1944.